Samstag, 20. Juni 2009

Erste Testmail vom Iridium-Handy

... wenn diese Mail lesbar ist, funktioniert der Mailversandt vom Laptop
über das Iridium Handy direkt an den Blog :-)

Wir liegen noch immer in Deltaville an der Pier. Ich habe eben die
Instandsetzung und Änderungen an der Bordelektrik abgeschlossen, Egi
ein paar neue Leinen für die Backstagen und die Rollanlage der Genua
eingeschoren und das Stagsegel angeschlagen. Da es morgen vielleicht
schon nach New York gehen soll (drei Tage nonstop), habe ich mich nun
daran gemacht, die Software für die Datenübertragung per
Satellitentelefon zu installieren und auszuprobieren. Bisher hatte
ich noch keine Zeit dafür und auch ein bisschen viel Respekt. Stellte
mir das sehr kompliziert vor. 10 Minuten später sende ich nun diese Mail
hier als Testmail - und bin sehr gespannt. Wie genau soetwas
funktioniert, könnt ihr auf www.smartsatcom.de nachlesen.

Heut abend (bzw. für euch morgen früh) gibt es wieder einen neuen
Bericht!

Viele Grüße,

Johannes

Verproviantierung in den USA – niemals hungrig einkaufen gehen!

Liebe Leser,

obwohl wir heute bei Walmart in Kilmarnock deftigst zugeschlagen und für 190 $ flüssigen und 390 $ essbaren Proviant in vier großen Einkaufswagen zum Chevy Cobalt Mietwagen gerollt haben, liegt Gavdos nur unbedeutend tiefer im Wasser – wohingegen der Wagen doch recht tief auf der Straße hing. Wir haben uns für den Luxus entschieden, 50 Gallonen an Wasser in Gallonenflaschen aus dem Supermarkt an Bord zu nehmen, wodurch wir nicht nur einen guten Überblick über die verbleibenden Wasservorräte behalten, sondern auch die 75 Gallonen fassenden Wassertanks umgehen können, die sicher kein besonders leckeres Trinkwasser abgeben würden. Da das Wasser hier in Deltaville nicht nur braunlich schimmert, sondern auch noch selbst unter der Dusche und beim Zähneputzen entsetzlich schmeckt, wollen wir in einer Marina etwa drei Stunden entfernt die Einbautanks spülen und mit frischem Wasser füllen, das wir auf dem Weg nach Portugal als Backup und zum Waschen nutzen wollen. Soweit der Plan. Neben 50 Gallonen Wasser sind noch etwa 80 Liter an Säften, Cola, Fanta, … und dergleichen an Bord, sodass wir nun ausreichend versorgt sein sollten.


Nach zwei Einkaufswagen voll Flüssigkeiten folgten zwei weitere voll mit Pasta, Tomatensauce (der üblichen Nahrung meiner ersten Atlantiküberquerung …), Reis, Pasta, Tomatensauce, Nudelsuppen, Süßigkeiten, Pasta, Tomatensauce, Apfelmus in allen Variationen, Pudding in allen Variationen, Dosenfrüchte, Pasta, Tomatensauce … ;-)

Mit frischer Nahrung wollen wir uns auf dem weiteren Weg nach New York versorgen. Da mir damals auf der Reise mit Maverick auf halbem Atlantik die Süßigkeiten ausgegangen sind, war ich diesmal sehr vorsorglich, was das anging. Beim Auspacken der Tüten war ich dann doch ein wenig erstaunt, wie viel ich eingepackt haben. Jetzt haben wir von 4 großen Schapps für Nahrung ein ganzes Schapp nur für Süßkram!
-> Ergänzung, eine Stunde später, nach dem Abendessen (na was gab es wohl?): Wir haben auch ein ganzes Schapp nur für Pasta und Tomatensauce!!!

Bei der letzten Reise ist es mir so ergangen, dass ich im Supermarkt in Deutschland einige Sachen gekauft habe, die ich vorher noch nie gegessen hatte. Beispielsweise ging es mir mit einer bestimmten Sorte von Knäckebrot so: Das Zeug war einfach genial, ich wollte mehr, aber hatte nur eine einzige Packung an Bord! In Amerika kommt es noch eher vor, dass wir etwas in den Wagen werfen, was wir noch nie probiert haben und eigentlich müsste ich heute so konsequent sein, gleich mehrere davon in den Wagen zu werfen, nur für den Fall. Aber so groß das Verlangen danach war, eine Dose "SPAM" und "Mini-Sausages" in der Dose in den Wagen zu werfen – so groß war doch das Misstrauen, damit vollkommen daneben zu greifen. Vor allem, was Dosenfleisch angeht. So ging es mir damals mit "Baked Beans": In einem Cowboyfilm schienen die Jungs immer begeistert von der Pampe, aber so gut wie alle meiner Dosen, die ich über den Atlantik gesegelt habe, haben die USA verschlossen erreicht …

Angekommen auf dem Boot haben wir den ganzen Einkauf für ein Gruppenfoto auf dem Seitendeck drapiert. Leider waren wir nicht schnell genug und ein Großteil der Schokolade wurde von den Sonnenstrahlen "irreversibel denaturiert", wie es mein Biolehrer ausgedrückt hätte. Trotzdem interessant, die ganze Schose mal auf dem Boot verteilt zu sehen.


Während Egi den Mietwagen zum Verleiher nach Newport News brachte, machte ich mich daran, alles unter Deck auf den abgesenkten Salontisch zu verholen, auf dem ich schlafe. Eine Wahnsinnsarbeit in der prallen Sonne, bei 30 Grad im Schatten.

Abends machten wir uns dann an das, wir wir dachten, unmögliche Kunststück, die ganzen Vorräte unter Deck zu verstauen. Eine Stunde später war alles weg – und man sieht unter Deck nicht einmal, dass das Boot bewohnt ist. Unglaublich! Ein echtes Raumschiff.

Morgen stehen die letzten Arbeiten und vor allem Sicherheitschecks am Boot an und wir sind ziemlich überrascht, dass wir das Boot in effektiv nur drei Tagen von "Eingewintert an Land" zu "Größtenteils einsatzfähig für eine Atlantiküberquerung" bekommen haben. Aber dennoch kann sind es immer wieder die kleinen Details, wie Probleme machen: Beim Stauen der Wassergallonen heute fanden wir beispielsweise beim zufälligen Öffnen einer Blende unter der Spüle den Schlauch der Seewasserpumpe zum Geschirrspülen samt dem Stutzen von der Pumpe abgebrochen zwischen den anderen Schläuchen hängen. Mit offenem Seeventil. Unglaublich. Wären wir so losgesegelt, hätten wir sicher eine Weile gesucht, bis wir das Leck gefunden hätten. Also: Checken, Checken, Checken! Dennoch: Ein Boot wird niemals 100%ig fertig. Wir werden uns mit 99% begnügen, sonst kommen wir nie los …

Morgen checken wir weiter und verholen dann wahrscheinlich rüber nach Fishing Bay, zum Wasser bunkern. Und Sonntag (oder Montag?!), je nach Wetter, sind wir dann auf dem Weg nach New York. Wenn alles gut geht – nonstop. Als Testfahrt für den Atlantik.

Ich melde mich morgen!

Johannes

Donnerstag, 18. Juni 2009

Bastelstunde in Deltaville

Liebe Leser,

nach den stündlich neuen Blog-Einträgen am Dienstag (ich war so begeistert, was mit dem Handy alles geht ;-)) war gestern nun ein Tag Funkstille, weil hier auf dem Land der Handyempfang äußerst Mau ist. Ich hatte gestern sogar schon auf dem Handy einen neuen Bericht getippt, aber er das Netz war einfach zu schwach, um ihn vollständig zu versenden.

Was ist passiert? Nun, wir sind am Dienstagabend gegen halb 10 Ortszeit hier angekommen und haben das Boot bezogen. Im vergangenen Jahr muss wohl etwas Feuchtigkeit unter Deck gelangt sein, weshalb die Wände in der Kajüte eine Art "Flugschimmel" (so ähnlich wie Flugrost …) angesetzt haben. Mit einer Flasche "Mildew Stain Remover - Extra Giftig" war das Zeug aber schnell abzuwischen. Und Egis Hände ein wenig entartet – man sollte wohl doch den Hinweis mit den Gummihandschuhen beachten …

Gegen Mittag flog die "Gavdos" im Travellift über die Schotterpiste hinunter zum Wasser der Chesapeake Bay und schwimmt nun. Nachdem die Stopfbuchse ein wenig geleckt hat, ist sie nun dicht. Der Motor läuft auch und so konnten wir uns den Rest des Nachmittages daran machen den neuen Windgenerator von West-Marine zu montieren. Der Generator vom Typ "Air-Breeze" sieht optisch genauso aus wie der, den ich mir auf Maverick gebraucht in der Karibik gekauft hatte, aber offenbar hat er außer der Optik mit meinem 10 Jahre alten, gebrauchten Modell nicht mehr viel zu tun. Neue, weiße Blätter reduzieren das mir so vertrautgewordene "Flap-Flap-Flap" auf ein Minimum und die kleine LED-Lampe, die mir so oft bei Nacht im Schlauchboot den Weg zurück zur Maverick gewiesen hat, leuchtet nur noch ganz selten.

Hier ist es nun gerade halb 11 Uhr morgens und wir sind schon seit über 3 Stunden auf den Beinen. Egi ist gerade dabei, draußen das Deck zu schrubben, während ich mich um die Bordelektrik kümmere, gestern noch ein neues Schaltpaneel montiert habe und heute das Bedienpaneel der Bilgepumpe überhole und noch einige Steckdosen montiere, damit wir auch auf See regelmäßige Updates senden können. Einen Wechselrichter habe ich eben schon montiert und sitze nun mit meinem kleinen, weißen Mac am Kartentisch, um dieses Update zu schreiben. Obwohl immer noch viele kleine Details und Aufgaben auf der "To-Do-Liste" stehen, kommt immer mehr das Gefühl auf, dass das Schiff schon recht seeklar ist. Und ich merke auch, wie es mir in den Fingern juckt, bald loszufahren. Von mir aus gleich direkt nach New York, zwei Tage Sightseeing – und dann weiter auf die Azoren. Das Boot macht auf jeden Fall einen ziemlich stabilen Eindruck. Mit meiner Maverick kaum zu vergleichen. Auch, wenn wir schon gehört haben, dass die Westsail nicht sehr schnell sein soll, aber das werden wir noch sehen. "Westsnail" oder sogar "Wetsnail" nennen die Einheimischen das Boot hier. Aber immer wenn man gefragt wird, was für ein Boot wir segeln, setzen Bootskundige eine ehrfürchtige Miene auf, wenn sie den Bootstyp erfahren: "That boat can take you anywhere!". Das Gefühl habe ich auch.


Da wir nun endlich wieder Internet haben, werde ich versuchen, täglich ein Update zu senden.

Übrigens: Der Reinfall des Tages war gestern meiner. Immer noch im Jetlag war ich gestern Abend auf dem Weg zum Zähneputzen, als ich eine Abkürzung nehmen wollte, die keine war. Ich der Dunkelheit sah ich nicht, wo der Steg endet … PLATSCH! ;-)

Viele Grüße aus Deltaville, VA!

Johannes

Dienstag, 16. Juni 2009

Hoch ueber dem Atlantik

In 33.000 Fuss Hoehe haben wir eben die Suedspitze von Groenland ueberflogen. Halbzeit. Wahnsinn, wie schnell das geht. Noch 4 Stunden.

Message sent on board KLM Royal Dutch Airlines. You can reply during the flight; this will be delivered directly to the sender's seat on board the aircraft

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Im Flieger


251 Plätze hat dieser Airbus A330-200, und Egi und ich sitzen ganz zufällig nebeneinander! In 10 min heben wir ab.

Auf dem Flughafen in Hannover


Ein letzter Kaffee auf deutschem Boden. Meine Mutter und meine Oma sind als Abschiedskomitee mitgekommen und mindestens so aufgeregt wie ich. Jetzt geht es in einer Fokker 50 erstmal rüber nach Amsterdam, wo ich 15 min vor Egi lande, bevor wir dann zusammen weiter nach Washington DC fliegen.

Montag, 15. Juni 2009

Noch einmal schlafen …

… und dann heben wir ab mit Kurs Washington. Dann wird die tägliche Berichterstattung beginnen. Dank moderner Technik geht das heute sehr viel komfortabler, als noch auf meiner letzten Reise im Jahr 2005/2006. Damals musste ich noch für jeden der alle fünf Tage erscheinenden Berichte eine eigene Seite in HTML programmieren, die Bilder verlinken und alles auf meine Website hochladen. Damit war ich gut 3-4 Stunden beschäftigt. Dank dieses Google-Blog-Systems schreibe ich nun einen Text als würde ich ein Word-Dokument verfassen, füge die Bilder ein und mit einem Klick ist alles online. Ganz einfach. Auch per Handy und Iridium-Satellitentelefon ist es mir möglich einen neuen Bericht direkt auf der Website online zu schalten. Ich bin echt begeistert, was sich in den paar Jahren verändert hat :-)

Dass es wieder los geht, lässt sich bereits an den Besucherzahlen dieser Website erkennen, die in den vergangenen Tagen enorm gestiegen ist.

Morgen um 10.25 Uhr geht für mich der Flieger von Hannover nach Amsterdam. Dort treffe ich Egi, bevor wir zusammen um 13.15 Uhr Abheben und um 15.30 Ortszeit in Washington D.C. landen. Die Vorfreude steigt!

Johannes