Dienstag, 30. Juni 2009

In New York - Abfahrt morgen, am 1. Juli

Liebe Leser,

nachdem mich schon einige „Warum schreibst du nichts mehr“ und „Was ist passiert?“ Mails und sogar ein Anruf meiner Eltern erreicht haben, nun noch schnell ein Update … Es freut mich sehr, dass doch so viele Leute unsere Reise verfolgen! Warum ich bisher noch nicht geschrieben habe? Nun, zweierlei Gründe. Einerseits können Sie sich vorstellen, dass solch eine gigantisch große Stadt wie New York eine Menge Ablenkung bietet. Ich habe in den letzten zwei Tagen - genau wie schon 2006 nach meiner Reise mit Maverick - die ganze Stadt zu Fuß erkundet. Und mir bereits zwei dicke Blasen gelaufen. New York ist einfach Wahnsinn. In Worten gar nicht auszudrücken. Diese Vielfalt, diese Masse an Eindrücken. Von Block zu Block verändert sich die Szenerie, das Leben, jeder Straßenzug hat sein eigenes Flair. Dazu die vielen Gerüche! Straßenverkäufer, die Hähnchenspieße grillen, Hotdogs, Chinaimbisse. Von überall wird man von Eindrücken zugeschüttet, sodass ich jeden Abend hier ziemlich erschöpft und überfordert auf dem Boot angekommen bin.

Die andere Sache, die mich in den letzten Tagen beschäftigt und mir Sorge bereitet hat, ist eine Hiobsbotschaft, die mich vor etwa einer Woche erreicht hat: Meine Freundin, die ebenfalls wie ich in Kiel wohnt, wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Und das schlimme ist: Man weiß nicht, was es ist. Von Tag zu Tag ändern sich die Diagnosen. Und ich sitze hier, am anderen Ende der Welt und kann nichts tun, kann sie nicht einmal im Krankenhaus besuchen. Das bedrückt mich gerade sehr. Täglich telefonieren wir über Skype und es ist so ein herzzerreißendes Bild, sie per Webcam im Krankenhausbett zu sehen, von den vielen Untersuchungen und schmerzhaften Tests zu erfahren - und nicht dabei sein zu können.

...

Hier in Kürze, was in den vergangenen Tagen sonst noch passiert ist:

Wir sind am Freitagabend gegen 9 Uhr abends hier in New York angekommen. Genauer haben wir uns für die New-Jersey-Seite des Hudson River entschieden, von der man schnell mit der Fähre in der City ist. Die erste Nacht konnten wir sogar kostenlos liegen, weil wir so spät ankamen (wer hätte das in New York gedacht?!), am Samstagmorgen sind wir dann mit einer Geschwindigkeit von nur 1,5 - 2 Knoten über Grund gegen bis zu 3,5 Knoten Strömung den Hudson River hinauf gedampft, um in der Lincoln Harbor Marina festzumachen, die sich genau gegenüber der 40igsten Straße, der Höhe des Empire State Buildings, befindet. Von hier läuft man etwa 1,5 km nach Norden, gelangt zu einem Fährterminal und kann von dort hinüber in die City fahren. Abends hat man selbst vom Boot aus quer über den Hudson River einen tollen Blick auf die beleuchtete Stadt und kann verstehen, warum Frank Sinatra singt „a city that never sleeps“. So groß ist die Stadt dann allerdings doch nicht, wie man es sich vorstellt. Heute Mittag fuhr ich mit der Fähre hinüber in die City und durchlief planlos halb Manhattan auf vielen kleinen Nebenstraßen, um etwas vom Leben dort zu sehen. Etwa 3 Stunden später fuhr auch Egi mit der Fähre hinüber in die 1,6 Millionenstadt, ebenfalls ohne feste Pläne, was er sich angucken will. Keine Stunde später liefen wir uns dann in Greenwich Village zufällig über den Weg. Unglaublich! Ich fand es schon einen wahnsinnigen Zufall, dass wir auf dem Transatlantikflug von über 230 Passagieren im Airbus genau nebeneinander sitzen, aber wie wahrscheinlich ist es denn, sich in Manhattan über den Weg zu laufen?! Ich sollte morgen anfangen, Lotto zu spielen :-)

Morgen werden wir auch nochmal unseren Proviant nachfüllen. Einige Sachen haben sich auf der 4 tägigen Überfahrt von Deltaville hierher als sehr, sehr lecker erwiesen. Da wird nachgekauft. Auf meiner Liste zum Beispiel „Cheez-it“-Käsekräcker (toll für die Nachtwache, da hat man was zum knabbern) und blaues „Powerade“. Auf unserer Instant-Kaffee-Dose stand zwar etwas von 160 Tassen, aber auch da fällt der Pegel bereits jetzt beträchtlich. Und das wäre ja schrecklich, auf dem Atlantik ohne Kaffee! Mir haben schon öfters mal Leute erzählt, das Wort „Kaffee“ wäre mit Abstand das meist genannte. Danach fiel mir dann auch auf, dass mir Leute, die das Buch gelesen haben - auch wenn ich sie gar nicht kenne - bei jeder Gelegenheit sofort einen Kaffee anbieten ;-)

Wasservorräte müssen wir morgen auch noch ein bisschen Nachfüllen. Das Wasser aus unserem Tank stinkt entsetzlich. Da er keine Inspektionsluken hat und auch das mehrfache Durchspülen noch keine Besserung brachte, fahren wir die vollen Tanks nun nur als Ballast und Reservewasser durch die Gegend, aber versorgen uns komplett aus Kanistern und Flaschen. Morgen Vormittag steht auch noch Wäschewaschen auf dem Plan. Hier im Hafen gibt es glücklicherweise sowohl Maschine als auch Trockner. Ansonsten steht dann einer Abfahrt Mittwoch gegen Mittag (18 Uhr deutscher Zeit) nichts mehr im Wege!

Nun aber erstmal ein paar Bilder. Auch die Berichte der letzten Tage von See habe ich mit Bildern bestückt. Fotos per Iridium-Satellitentelefon hoch zu laden ist zwar auch möglich, aber wir wollen uns aus Kostengründen auf ein paar wenige während der eigentlichen Atlantiküberquerung beschränken. Wenn wir am Mittwoch starten, wird man auch unter „Positionen“ täglich den Fortschritt verfolgen können. Die Karte ist schon eingerichtet. Falls es Probleme mit dem Anzeigen geben sollte, auf „aktualisieren“ klicken und ansonsten bitte melden! Habe schon gehört, diese Seite soll bei manchen Browsern Anzeigeprobleme hervorrufen. Es wird daran gefeilt.

Bis dahin: Schöne Grüßen vom Hudson-River!

Johannes

Lange kämpften wir gegen den Hudson an, bis wir die Brücke vor dem Hafen von New York

erreichen.Als Belohnung gönnen wir uns jeder eine "Brückencola" ;-)

Egi freut sich.

New York begrüßt uns mit einem Regenbogen.

Wir nutzen das tolle Licht und die langsame Fahrt gegen den Strom, …

… um Fotos vor der Skyline zu machen.

Kurz vor Sonnenuntergang passieren wir "Miss Liberty" und Ellis Island, der früheren Immigrationsinsel, wo alle Einwanderer registriert wurden.

Ein paar Meilen flussaufwärts biegen wir links ab …

… und liegen mit Blick auf die Skyline.

Sonntagmorgen geht es weitere 4 Meilen Flussaufwärts in die Lincoln Harbor Marina, die unser Liegeplatz bis zur Abfahrt sein wird.

Am 1. Juli werden wir, vorrausgesetzt das Wetter spielt mit, wie dieser Segler den Hudson hinuntersegeln und Kurs auf die Azoren nehmen.

Bis dahin liegt die Gavdos im starken Schwell des Hudson und wird kräftig durchgeschaukelt.

In der Zwischenzeit treiben wir uns in der Großstadt herum und sammeln Eindrücke.

Samstag, 27. Juni 2009

Vierter Tag auf See - Noch 35 Meilen bis zur Skyline von New York!

Liebe Leser,

ein letzter Bericht vom Iridium, bevor wir heute abend - hoffentlich! -
in einem Yachthafen liegen und wieder ganz normal Internet haben.

Nur ein 82er Etmal war es die vergangene Nacht, was vor allem an den
flauen Winden aus Süd lag, die uns weiter nur mit etwa 3-4 Knoten nach
Norden schoben. Gestern abend gegen neun hörten wir dann im
Wetterbericht eine Sturmwarnung für "schwere Gewitter". Kurz darauf ging
es auch schon los: Der Himmel zog sich zu, Blitze zuckten im Norden ins
Wasser. Genau dort, wo wir hin wollten. Also drehten wir vorerst auf
Ost, nahmen das Groß weg und ließen uns nur noch von der halb
weggerollten Genua ziehen, die wir kurs darauf ebenfalls wegnahmen, als
das Gewitter näher kam. Ein beeindruckendes Bild war es allemale, aber
auch schon ein wenig beängstigend. Ich hatte zwar auf Maverick hier vor
der amerikanischen Küste schon alle Nase lang ein Gewitter getroffen,
aber noch nie ein zuvor über UKW angekündigtes. Die haben ganz schön
Panik gemacht, die Wetterfrösche. Und was über dem Land herunter kam,
war die Panik auch definitiv wert. Ich glaube, jeder Segler, der
schonmal an dieser Küste unterwegs war, kann bestätigen: Ein Gewitter in
Deutschland ist harmlos gegen das beängstigende Knallen und Donnern
eines Gewitters in Amerika. Der Temperaturunterschied zwischen den
heißen Tagen und kühlteren Nächten scheint es zu sein, der fast jede
Nacht irgendwo am Horizont ein Gewitter zucken lässt. Meist waren das
bei meiner letzten Reise hier in den USA 2006 nur Höhengewitter - aber
das gestern zuckte bis in den Atlantik. Also saßen wir hier unter Deck,
alle Segel unten und alle Schotten dicht. Auf dem Radar konnten wir die
Gewitterfront gut ausmachen. Auch, wohin sie sich bewegte. Obwohl es
vorher noch so aussah, als würde sie direkt auf uns zu ziehen, teilte
sie sich plötzlich genau in der Mitte und zog rechts und links an uns
vorbei!! Was für ein Wunder! Ich konnte es nicht glauben, als sich auf
dem Radar ganz klar in der Mitte des Gewitters eine Spalte öffnete, wir
Segel setzen und genau in der Mitte hindurch fahren konnten.

Den Rest der Nacht blieb das Unwetter bis vier Uhr morgens, dem Ende
meiner Wache, immer noch neben uns und zog dann ab. Gegen Vormittag
schlief der Wind ein, weshalb nun neben mir im Maschinenraum der kleine
Volvo knattert. Noch etwa 15 Meilen bis zum Wegpunkt in der Ansteuerung
des Hafens. Dann noch etwa weitere 20, bis wir - wenn wir einen Platz
bekommen, in der Lincoln-Harbor-Marina am Hudson-River, gegenüber der
Skyline von Manhattan festmachen. Vielleicht kommt bis dahin ja auch
noch ein klein wenig Wind auf. Das Knattern und vor allem Selbersteuern
nervt. Unsere Monitor-Selbststeueranlage funktioniert nur solange wir
segeln. Wir wir schon an der Mündung der Chesapeake Bay festgestellt
haben, sind beide Kompasse der alten Autohelm-Pinnenpiloten kaputt.

Die Fliegenplage, von der ich gestern geschrieben habe, geht weiter. Wie
es scheint, haben wir nicht alle selbst mitgebracht, sondern sie kommen
von Land her zu uns herüber geflogen. Erstaunlich, weil wir zum Teil
über 20 Meilen von der Küste weg waren. Gestern hielt ich den Highscore
- Egi hatte etwa 20 Fliegen erlegt, ich um die 30. Heute hat Egi bereits
gewonnen: Im Morgentau waren ganz viele Fliegen, Mücken und sonstiges
Geflatterzeugs gelandet. Auch ein paar echt dicke Brummer, das gibt
extrapunkte. Er brauchte nur mit dem Handtuch draufschlagen - und ich
hatte keine Chance mehr, seine Punktzahl einzuholen.

Morgen melde ich mich aus New York - dann hoffentlich auch mit Bildern!

Johannes

Freitag, 26. Juni 2009

Position vergessen!

Heutige Mittagsposition war genau 39 Grad Nord und 74 Grad, 21 Minuten
West.

Gruß,

Johannes

Dritter Tag auf See - Fliegen und Flaute

Liebe Leser,

seit gestern Mittag sind wir ein Etmal von 92 Meilen gelaufen, was recht
brauchbar ist, angesichts der Tatsache, dass der Wind in den letzten 24
Stunden mehr als flau war und uns nun seit etwa 10 Minuten ganz
verlassen hat. Auf dem GPS stehen noch 85 Meilen bis New York und wir
können hoffen, dass wir morgen kurz nach Mittag Bordzeit an der
Freiheitsstatue vorbei segeln.

Gestern Mittag drehte der Wind in laufe meiner Wache auf Nord - das
hieß für uns kreuzen. Ein Schlag brachte uns dicht unter Land, man
konnte den Strand klar sehen. Gegen Nachmittag drehte er dann immer
weiter auf Süd. Die letzte Nacht war dann ruhig, bis auf das Passieren
des Verkehrstrennungsgebiets an der Delaware Bay, wo einige Tanker auf
Reede lagen und andere auf dem Weg in die Bucht. Slalomsegeln hieß das
für uns. Unter Butterfly - ausgebaumter Genua und Groß gar nicht so
einfach.

Die letzten Stunden der Nachtwache gehörten mir. Um 7 Uhr starteten wir
mit Kaffee und Pancakes (!) in den Tag. Gestern gab es Kaffee, scrambled
Eggs und Bacon. Ganz schön dekadent ;-)

Ansonsten scheinen wir uns langsam wieder an das Seesegeln zu gewöhnen.
Die Seebeine kommen wieder und Seekrank war auch noch keiner. Auch das
Wasser wird, je weiter uns die Schläge hinaus auf den Atlantik bringen,
immer blauer. Funkelt in Farben, die man nirgendwo anders in solch einer
Intensität sehen kann. Morgens einen Sonnenaufgang auf See zu erleben,
wenn die Sonne sich langsam aus dem blauen erhebt, den Tag erhellt und
erwärmt und die weite des Meeres erstmal richtig bewusst macht, gehört
wohl zu den faszinierendsten Dingen, die man im Leben erleben kann.

Einzig nervig an Bord sind hier eine großfamilie von Fliegen, die wir
mitsamt einiger Stechmücken mit auf den Weg nach New York genommen
haben. Die Moskitos in Deltaville waren sehr stechfreudig, ich habe nur
an meinen Füßen 77 Mückenstiche gezählt. Alles in allem etwa 120. Auf
dem Rücken kann ich so schlecht zählen. Eine Salbe mit dem
vielversprechenden Namen "Anti-Itch-Cream" aus dem amerikanischen
Supermarkt hat ein wenig Abhilfe vor dem Jucken gebracht. - Was mich
erstaunte, denn die Salbe ist laut Aufdruck nicht nur speziell für
Mückenstiche gedacht, sondern eigentlich für ALLES, was jucken kann.

Die Stechmücken haben bereits die ersten zwei Tage nicht überlebt. Sie
standen auf der Schwarzen Liste ganz oben - während der Nachtwache hatte
man ja Zeit, sich ihrer zu entledigen. Aber jetzt werden auch die
Fliegen immer nerviger, setzen sich auf Arme und Beine und beißen zu.
Ja, tatsächlich, es scheint sich um spezielle Vampir-Fliegen zu handeln.
Egi ist gerade mit einer Fliegenklatsche im Cockpit auf Jagd. Eine
Riesensauerei - die Viecher sind vollgesogen mit Blut und machen dicke
Flecken ;-)

Genug von den Fliegen.

Wir melden uns beim nächsten Update nicht mehr wie heute per Iridium,
sondern dann hoffentlich schon aus New York!

Johannes

Aus dem Nebel taucht Atlantik-City auf

Butterfly nach Norden

Die Monitor-Windsteueranlage macht ihren Job gut!

Schwacher Wind - aber es geht voran!

Navigation entlang der Küste

Donnerstag, 25. Juni 2009

Auf dem Weg nach New York - Tag 1

Liebe Leser,

24 Stunden sind wir nun genau unterwegs und haben ein Etmal von 110
Seemeilen ersegelt. Das ist nicht wirklich Preisverdächtig. Aber wenn
man den Wind berücksichtigt, den wir gestern und heute Morgen hatten,
ist das wirklich gut! Mit nur 6-8 Knoten wehte es gestern, als wir unter
Groß und Genua aus der Fishing Bay hinaussegelten. Glücklicherweise kam
das bisschen Wind aber zumindest aus Norden, schob uns zusammen mit dem
Strom und etwa 5,5 Knoten Fahrt die ganzen 40 Meilen die Chesapeake Bay
hinunter. An der Mündung der Bay gibt es eine etwa 20 km lange Brücke,
die an zwei Stellen zu einem Tunnel wird. Die Brücke selbst ist nur etwa
10 Meter über dem Wasser und damit auch große Frachtschiffe sie
passieren können, um beispielsweise nach Norfolk zu gelangen, wo sich
ein großer Navy-Stützpunkt befindet, hat man sich anstatt dafür die
Brücke zu erhöhen halt für einen Tunnelbau entschieden. Ein ulkiges
Bild. Ich hab soetwas noch nie gesehen, aber es war sehr beeindruckend,
die LKWs auf der hohen Brücke plötzlich unter der Erde verschwinden und
auf der anderen Seite wieder auftauchen zu sehen.
Gegen 20 Uhr Abends passierten wir den Tunnel/Brücke und segelten hinaus
auf den Atlantik. Der Wind drehte auf Südwest, wehte weiter mit etwa 8
Knoten und schob und gemächlich mit 4,5 Knoten nach Nordosten.
Wir haben uns hier an Bord für einen etwas vom normalen
4-Stunden-Wachtakt abweichenden Wachplan entschieden: Von 22-1 Uhr
wachte gestern Egi, ich übernahm dann die Wache von 1-4 Uhr, dann wieder
Egi von 4-7 Uhr, zwischendurch gemeinsames Frühstück - und nun habe ich
gerade meine letzte Wachstunde während meiner 8-13 Uhr Wache. Vorteil
ist, dass wir so nachts eine Stunde weniger haben, tagsüber eine Stunde
länger schlafen können und an den Stoßzeiten, Frühstück, Mittag- und
Abendessen, zusammen essen können. Das verhindert, dass man - wie es
schon manch einem geschah - nach Wochen auf See an einem anderen Hafen
ankommt, sich durch die abwechselnden Wachtakte wochenlang nicht gesehen
hat und wundert, dass man doch kein Einhandsegler ist ;-)

Nun hat der Wind gedreht, kommt genau aus Nord. Gegenan. Doof. Dafür mit
10 Knoten. Erst konnten wir nur Kurs Ost laufen, nach einer Wende nur
Kurs West, jetzt laufen wir etwa 330 Grad. Das hilft schon etwas. Wir
können nur hoffen, dass der Wind noch weiter dreht und wir nicht den
ganzen Weg nach New York kreuzen müssen!

Parallel zu diesem Text lade ich gerade über Kurzwelle eine Wetterkarte
herunter. Bin gespannt, was die bringt. Das Wetter ist auf jeden Fall
angenehm warm, sonnig, herrlich. Jetzt nur noch Wind aus der richtigen
Richtung, bitte!

Unsere Position: 37 Grad 40 Minuten Nord, 075 Grad 14,5 Minuten West.

Viele Grüße!

Johannes

Mittwoch, 24. Juni 2009

Endlich unterwegs nach New York!

Liebe Leser,

wir sind endlich unterwegs. Diese Zeilen sind die letzten, die über das Wireless-Netzwerk der Fishing-Bay an der Mündung des Rappahanock-River auf diese Website gelangen. Es ist hier gerade neun Uhr morgens, der Kaffee dampft, gleich werden wir wohl noch ein paar Pancakes oder Eier in die Pfanne werfen und dann Anker auf gehen.

Vorgestern waren wir aus Deltaville hier rüber gesegelt, hatten die Diesel- und Wassertanks bis zum Anschlag gefüllt und uns noch einen Tag in der Marina zum Wäschewaschen gegönnt. Gestern waren wir dann mit geliehenen Fahrrädern nochmal im Ort, um uns mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Ganz merkwürdiges Gefühl, auf einem FAHRRAD in den USA unterwegs zu sein. Bisher hatte ich hier noch nicht viele gesehen.


Die letzte Nacht haben wir nun direkt vor der Marina vor Anker verbracht. Eigentlich hatten wir die Abfahrt bereits für Sonntag geplant und wären auch soweit fertig gewesen, aber anhaltende und stärkere Nordwinde hätten es uns schwierig gemacht, nach der Mündung der Chesapeake Bay nach Norden in Richtung New York zu segeln. Also mussten wir warten. Heute Weht der Wind nur noch mit 5-10 Knoten aus Norden, soll aber um Mitternacht herum auf Süd drehen. Perfekt also, um nach New York zu gelangen. Luftlinie sind das etwa 210 Meilen. Mit dem Südkurs zur Mündung der Bay werden es aber sicherlich 260 werden. Wir rechnen – je nach Wind – mit etwa 2-3 Tagen für die Strecke.

Festmachen werden wir in New York dann vorraussichtlich gegenüber von Manhattan direkt im Hudson River. Von dort kommt man gut mit der Fähre in die City und der Liegeplatz ist zwar immens teuer, aber noch nicht so teuer, wie er direkt in Manhattan wäre.

Einen großen Teil dieser gesamten Reise wollen wir der Filmerei widmen. Egi hat zu diesem Zwecke einige besondere Konstruktionen entwickelt, die es ermöglichen, das Boot aus ganz ungewöhnlichen Perspektiven zu filmen. Hier seht ihr eine kardanisch aufgehängte Außenbords-Kamera. Wir sind sehr gespannt, ob sich auf dieser Probefahrt nach New York alles bewähren wird.


Während dieser Überfahrt wird es unter "Positionen" leider keine Updates geben, dann aber während der Atlantiküberquerung nach dem Start in New York täglich. Aber ich werde auch in den nächsten Tagen täglich auf diesem Blog berichten, was wir entlang der Ostküste so treiben. Die Aktualisierung funktioniert ganz ausgezeichnet per Iridium-Telefon.

Viele Grüße und bis bald!

Johannes

Montag, 22. Juni 2009

Unter Segeln ...


... auf dem Weg nach Fishing Bay, gleich um die Ecke. Wasser und Diesel tanken. Ein befreiendes Gefühl, endlich mal ein paar Meilen unterwegs zu sein. Wetterbericht sagt immer noch Gegenwind bis Mittwoch voraus, dann gegen Abend auf Süd drehend. Eben überholt uns an Backbord eine australische Yacht, die offenbar ebenfalls in die Bucht will. Wind sind etwa 2-3 Windstärken, wir laufen mit 4,5 Knoten. Dieser Eintrag kommt vom Handy. Bin gespannt, ob wir heut abend wieder Internet haben. Anmerkung am Rande: Happy Birthday an meinen Vater! ;-) Schade, dass ich an diesem Tag so weit weg bin. Und an dieser Stelle auch ein DANKE für alles, was ihr mir immer wieder ermöglicht. Ich werd heut ganz besonders viel an euch denken. Esst ein Stück von Mutters Erdbeerkuchen für mich mit. Was würde ich gerade für eine echte Tasse Kaffee geben. Bei uns an Bord gibts nur Instant-Pulver ;-) Viele Grüße von der Chesapeake-Bay! Euer Johannes