Dienstag, 18. Mai 2010

Zu Verkaufen: Schiff mit Erfahrung

Dirk Mennewisch, den ich hier auf dieser Seite bereits einmal angeteasert habe, ist von seiner Atlantikrunde (www.meinesee.com) zurück und möchte sich nun von seinem treuen Segelboot "M" trennen. Anbei die Verkaufsannonce, die ich für ihn hier veröffentlichen möchte:


Koopmans 32 zu verkaufen. Solides, absolut seetüchtiges Fahrtenboot für die kleine Crew. Ideal auch als Einhandyacht. Ich habe mit ihr einhand mehr als 7.500 Seemeilen zurückgelegt. Viele Gegenstände für das Fahrtensegeln und Sicherheitsausrüstung wurden in 2009 neu angeschafft. Sie ist technisch in einem sehr guten Zustand. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich mit ihr noch einmal über den Atlantik segeln würde, wäre meine Antwort: "Lass mich schnell einen Aldi leerräumen und dann kann es losgehen".

"M" zu verkaufen fällt mir nicht leicht, es ist eine Vernunftentscheidung. Sie sucht daher einen neuen Eigner oder eine neue Eignerin - da ist sie gar nicht so wählerisch. Der oder die Neue kann gerne etwas von ihr abverlangen, sie steckt voller guter Überraschungen.

Der Preis. Ich würde mich freuen aus dem Verkauf EUR 27.900 erlösen zu können. Einen Verhandlungsspielraum gibt es immer und über "flexible" Zahlungsmodelle können wir gerne reden.

Neben der Standardausrüstung (Logge, Echolot, Pantry, SeeWC, etc) kann ich auf folgende Features hinweisen:

- lenght: 9.60m, beam: 2,95m, draft: 1,95m
- 20PS Bukh Diesel Engine (rebuilt 2004)
- material: steel
- Radar, Chartplotter, Echosounder, AIS-ready: SIMRAD NAVSTATION NX40 (new 2009)
- Windpilot Pacific (new 2009)
- Parasailor 2.0, 67sqm + 11sqm kite, Easysnuffer and cruising bag (all new 2009)
- Liferaft PLASTIMO Transocean 24h+ (new 2009)
- EPIRB incl. GPS (new 2009)
- AirX Windgenerator (2006)
- Genoa I, Genoa II, work jib, storm jib, main sail (all in good / very good condition)
- 3 anchors, 80ft 10mm anchor chain, 50m lead anchor line (all new 2009)
- Galley with two-flame gaz stove
- Reflex oil-oven
- 2.4m dinghi with Honda four-stroke outbord engine

- Currently moored in Germany (Glückstadt), free delivery to The Netherlands, UK, Belgium,
Denmark possible

Weitere Fotos und Berichte von der Reise natürlich auch auf seiner Website www.meinesee.com

Freitag, 14. Mai 2010

Überführungstörn Teil 1

Liebe Leser,

während ich diese Zeilen tippe, sitze ich allein an Bord der Maverick, im Yachthafen des kleinen Örtchens "Warten" im Norden Hollands. Eigentlich sollte das Boot schön längst in Deutschland sein, aber der geplante Überführungstörn gestaltete sich ein wenig anders, als erwartet. Tagelang hielt uns der starke Nordwind in Hellevoetsluis gefangen, verhinderte einen schnellen Törn nach Norden. Als es uns zu bunt wurde, wählten wir schließlich Plan B: Die Staande-Mast-Route. Was ein Ausweg werden sollte, erwies sich als goldrichtige Entscheidung. Eine spannende Woche Kanaltuckerei liegt hinter uns. Eine Woche, in der wir Holland so richtig von innen erkundet haben. Fazit: Wunderschön. Cati und ich haben ein neues Lieblingsland gefunden.
Von Montag bis Mittwoch musste ich zwischenzeitlich nochmal zurück nach Deutschland, drei Tage arbeiten, und bin heute Mittag zurück auf dem Boot angekommen. Letzte Arbeiten erledigt, eine neue Bilgepumpe installiert, endlich Reffleinen eingezogen, ... Morgen soll es nun einhand weiter nach Deutschland gehen. Vorab aber erstmal einige Eindrücke der vergangenen Woche ...


Voll beladen geht es am ersten Mai los nach Holland ...

Angekommen an Bord haben wir noch einiges zu tun. Hier der frisch komplett montierte Windpilot.

Neben der Maverick hat ein Vogel im Wasser sein Nest gebaut. Die ersten Tage protestiert er immer, wenn wir ihm zu nah kamen, aber dann hat er sich an uns gewöhnt.

Der Ölwechsel des alten Volvos gehört zu den letzten Dingen auf der To-Do-Liste. Am nächsten Morgen soll es los gehen.

Der beständig mit Windstärke 5 bis 6 wehende Nordwind macht auf der Nordsee ein Vorwärtskommen sehr beschwerlich. Also wählen wir den ruhiger und landschaftlich sehr viel reizvolleren Weg durch die holländischen Binnengewässer.

Sehr viel weniger Welle auf der Haringvliet, aber lausig kalt und immer wieder Regen.

Raumwindkurs. Erste Versuche mit dem Windpiloten. Funktioniert auf Anhieb - ich bin begeistert! :-)

Zum ersten Mal unter vollen Segeln.

Zwischenstop für die Nacht - in Dordrecht.

Dicht an dicht liegen die Boote. Wir gehen an einem alten Wohnboot ins Päckchen.

Die Bordkuh hat viel zu sehen.


Nur selten müssen wir lange, so wie hier, auf die Öffnung einer Brücke warten.

Holland-Eindrücke.







Spannend wird es bei der nächtlichen Fahrt quer durch Amsterdam. Erst geht es im Pulk von 20 Booten in die Schleuse ...

... dann im Sprint von Brücke zu Brücke. Gegen 5 Uhr morgens erreichen wir das Markermeer ...

... und durchqueren bis 13 Uhr das komplette Ijsselmeer. Kaum Wind, keine Welle, dafür unzählige, nervige Fliegen.

Hafenmanöver in Warten. Hier liegt die Maverick heute noch.

Morgen wird es von hier aus über die Nordsee einhand weiter Richtung Cuxhaven gehen.

Mittwoch, 28. April 2010

Die letzte Woche im Rückblick ...

Liebe Leser,

inzwischen sind wir wieder in Kiel angekommen. Montag habe ich einen Vortrag beim CCS in Zürich gehalten und hatte heute den ersten von drei Arbeitstagen, bevor es am Samstag an die Überführung der Maverick nach Deutschland geht. Während des Hollandtrips in der letzten Woche hatte ich leider die ganze Zeit über keinen Internet-Zugang und konnte so nur zweimal kurz per Handy kurze Meldungen verfassen. Eine turbulente und arbeitsreiche Woche liegt hinter uns. Eine Fahrt nach Holland, die damit anfing, dass wir kurz vor der Grenze festgestellt haben, dass der Bootsschlüssel noch in Kiel an der Wand hängt. Also sind wir nochmal 300 km zurück gefahren und haben ihn geholt ... ;-)

Hier nun ein paar Eindrücke der letzten Woche:

Angekommen an Bord, nach 1.200 km auf der Autobahn. Der Windpilot darf sich schonmal warm hängen ...

Dann geht es am Dienstagmorgen durch die Schleuse in die Haringvliet.

Catis erste Schleusung, sie ist entsprechend aufgeregt - aber alles läuft sehr entspannt.

Kaum geschleust biegen wir links ab und liegen im Yachthafen von YAGRA. Die Jungs dort haben meine Mail verbummelt, mit der ich mich vor Wochen angemeldet habe. Aber das macht nichts, man ist spontan. Keine halbe Stunde später rückt der Kran an.

Zum ersten Mal können wir das Schiff auch von aussen sehen. Bisher hatten wir am Steg immer nur die Heck-Perspektive.

Viel grüner Schleim an der Bordwand. Wir sind gespannt, wie sie von unten aussieht ...

Schnell das Achterstag demontiert, den Baum abgenommen - und schon hängt sie in den Gurten und schwebt über dem Wasser.

Erstaunlich: Der Bewuchs ist gar nicht so schlimm! Jedenfalls nicht schlimmer, als nach einer Saison in der Ostsee. Der Voreigner konnte mir nicht genau sagen, wann sie das letzte Mal draußen gewesen ist, aber sicher war es vor über fünf Jahren.

Kurz abgekärchert und schon werden wir samt Bock auf dem Gelände geparkt.

Als erstes machen wir uns daran, die alten und irreversibel verspakten Fender abzustechen. Es gibt neuen Ersatz.

Beim Kärchern ist einiges vom Wasserpass mit weggeflogen. Ich fange an zu schleifen und schon wird es feucht. Blasen werden erkennbar. Ich steche sie an, rieche an der Flüssigkeit und es ist offensichtlich: "Maverick" ist ein Osmoseschiff. Aber damit hatte ich ja schon fast gerechnet. Es wird also ein langer Winter werden ...

Die Nester am Wasserpass und Ruder sind breit, bis zu fünf Zentimeter Durchmesser. Aber glücklicherweise nicht sehr tief, nur maximal 1,5 bis 2 Millimeter. Alle stark betroffenen Stellen die ich finde, steche ich auf und lasse sie zwei Tage austrocknen. Natürlich ist das nicht genug, aber es muss für diesen Sommer reichen.

Cati ist nicht so begeistert von der Entdeckung ...

Aber da müssen wir durch. Ein neuer Lebensabschnitt: Der Kampf gegen die Osmose.

Da kommt ordentlich was raus ...

Kleinarbeit.

Die Aussicht von Deck ist toll. Wir können bis über die Haringvliet gucken.

Zwischendurch wird der wunderwundertolle Windpilot montiert :-) Sieht super aus!

Morgens, halb acht in Holland. Der frische Kaffee hilft uns als der Koje.

Noch eine Überraschung: Der Voreigner muss das Schiff mal auf eine Untiefe gesetzt haben, hat den Schaden aber offensichtlich nicht gründlich repariert. Auch darum werde ich mich im kommenden Winter kümmern müssen. Um alles für die Überführung dicht zu bekommen, schleife im Radius von etwa 30 cm rund um den Schaden alles bis aufs Laminat herunter.

Detailaufnahme. Beim Herausprokeln des feuchten und kaputten Laminats stoße ich auf den Bleikern vor.

Zwischendurch wird die von Cati polierte Schraube geprimert. Rechts zu sehen: Auch das Ruderblatt ist von Osmose befallen.

Um das Leck im Kiel zu dichten und alles zu stabilisieren, fülle ich das Loch mit angedicktem Epoxy auf und laminiere vier Lagen Rovinggewebe, zunächst in einem schmalen Streifen, dann breiter werdend und überlappend auf den Kiel.


Braune Stellen: Eingefärbte Spachtelmasse. Ist nicht schön geworden, aber der Kiel hat seine alte Form zurück und bis Deutschland sollte das allemal halten.

Zwei Tage später beginnen wir mit dem Antifoulingstreichen. Doch auch in der Zwischenzeit waren wir nicht untätig.

Ich habe zum Beispiel das neue Bordklo installiert, auf dem Bordkuh "Ricky" (nach der Wildwest-Legende "Maverick") probesitzen darf.

Nach fünf Tagen auf dem Trockenen geht Maverick zurück ins Wasser. Kaum wiederzuerkennen.

Nicht nur unter Wasser neue Farben - auch alle Fallen haben wir erneuert.

Proberunde auf der Haringvliet. Wie gern wären wir mit den anderen Yachten gesegelt, aber wir hatten keine Tücher mit. Doch die Seeluft lockt hinaus auf die Nordsee.

Noch eine neue Installation. Ein digitales Echolot, das mit dem Geber des alten Seafarer-Echolots funktioniert. Danke, Uwe! :-)

Zum zweiten Mal in der Schleuse zu unserem Liegeplatz ...

... an dem die Maverick nun sicher schon auf uns wartet. Am Samstag gehts los!